BERUFung HUND e.V.

Der Hund am Fahrrad

Im Laufe der Zeit haben sich in meiner Hundeschule viele Fragen zu diesem Thema angesammelt, die ich hier gern erläutern würde:

  • Welcher Beweggrund steckt hinter Ihrem Wunsch, gemeinsam mit dem Hund Fahrrad zu fahren?
    Wollen Sie sich fit halten und möglichst viele km in zügigem Tempofahren? Dann wäre es für Sie und Ihren Hund angenehmer, wenn Sie dies ohne Ihren Hund tun würden. Soll dies dagegen sowohl Ihrem Hundals auch Ihnen selbst einfach nur Spaß bereiten, dann bietet das für beide eine günstige Vorraussetzung.
  • Ist es für den Hund eine sinnvolle Art der Bewegung?
    Das lässt sich weder mit „nein“ noch mit „ja“ beantworten. Die richtige Antwort lautet: „es kommt auf den Hund an und auf viele andere Komponenten an“ die ich im weiteren noch genauer beleuchten will.
  • Was gilt es zu bedenken, wenn ich meinen Hund am Fahrrad führen möchte?
    Die erste Vorraussetzung ist, dass ich ein/e sichere/r Radfahrer/in bin und vor allem auch in der Lage bin mein Rad einhändig zu steuern. Die zweite Vorraussetzung ist, dass der Hund gesund ist sich gut fühlt.
  • Gibt es eine Möglichkeit beide Hände am Fahrrad zu haben und den Hund trotzdem angeleint zu führen?
    Grundsätzlich ja. Es gibt Möglichkeiten den Hund an einer dafür vorgesehenen Vorrichtung, die am Fahrrad befestigt wird, anzuleinen. Diese Lösung mag zwar für den Menschen sinnvoll sein, nicht jedoch für den Hund, denn ich merke als Hundeführer nicht, wenn mein Hund langsamer laufen möchte oder sogar stehen bleiben will. Ein weiterer Nachteil dieser Befestigungssysteme ist, dass ich meinen Hund nicht mehr im Blick habe, da er auf der Höhe meines Sattels bzw. Hinterrades läuft.
  • Kann ich einfach losradeln und der Hund weiß schon wie es geht?
    Ein klares „Nein“. Der Hund sollte zuerst einmal langsam an ein Fahrrad bzw. wenn er Fahrräder schon kennt, an das Laufen neben diesem, gewöhnt werden.Viele Hunde haben Angst vor dem Fahrrad, wenn es dicht neben ihnen geschoben wird und weichen seitlich aus. Manche ziehen auch wie verrückt nach vorne, um von dem Ungetümweg zu kommen, oder wechseln hinter dem Hinterrad plötzlich die Seite. Alle 3 Varianten sind für Hund und Halter gefährlich und sollten unbedingt vermieden werden, indem der Hund in kleinen Schritten mit dem Fahrrad vertraut gemacht wird. Es gibt immer auch die Möglichkeit den Hund an das Mitführen in einem Fahrradanhänger zugewöhnen. Wenn der Hund klein genug ist, gibt es die Möglichkeit einen dafür vorgesehenen Korb am Fahrrad zu befestigen und ihn dort mitradeln zu lassen. Auch hier ist immer eine Eingewöhnung in kleinen Schritten notwendig und sinnvoll.
  • Ist die Streckenlänge egal, oder sollte ich die Strecke langsam steigern?
    Der Hund ist genauso wie wir Menschen mit Muskeln ausgestattet, die übersäuert oder gezerrt werden können. Dieses würde bedeuten, dass der Hund unter Muskelkater und damit unter Schmerzen leidet. Um dieses Risiko zu vermeiden, sollten Sie mit ihrem Hund langsam beginnen und die Strecke langsam steigern.
  • Auf welcher Seite des Fahrrades sollte der Hund angeleint geführt werden?
    Der Hund sollte immer an der verkehrsabgewandten Seite laufen, in unserem Land, rechts neben dem Fahrrad.
  • Gibt es Hunde die evtl. rassebedingte Probleme haben?
    Ja. Kleine kurzbeinige Hunde, Hunde mit langem Rücken und Hunde mit verkürzten Schnauzen (Atemprobleme) sollten nicht am Fahrrad laufen.
  • Wie alt sollte der Hund mindestens sein?
    Auf jeden Fall sollte das Wachstum vollständig abgeschlossen sein, damit keine Spätfolgen wie Arthrosen entstehen. Dies ist meistens bei mittelgroßen Hunden mit ca. 12 - 14 Monaten der Fall. Große Rassen sind erst mit 18 - 20 Monaten ausgewachsen.
  • Wie alt sollte er höchstens sein?
    Auch hier gibt es keine grundsätzliche Regel, der Hund sollte gesund und möglichst beschwerdefrei sein.
  • Ist das Radeln mit Hund wetterabhängig?
    Ja, auf jeden Fall. Zu kalte (Minusgrade) oder zu warme Wetterextreme (Temperaturen über 15 Grad im Schatten) bereiten dem Hund generelle Laufprobleme und das nicht nur am Fahrrad. An solchen Tagen, sollten gemeinsame Fahrradfahrten dem Hund zuliebe vermieden werden. Auch dieses ist immer vom Hundetyp abhängig.
  • Wie schnell kann ich fahren, ohne dem Hund zu schaden?
    Das Tempo sollte unbedingt dem Hund überlassen werden. Er entscheidet wie schnell der Hundeführer fahren kann und nichtumgekehrt. Damit sollte sichergestellt werden, dass es dem Hund während der Ausfahrt wirklich gut geht. Das ist natürlich auch von der jeweiligen Tagesform des Hundes abhängig, denn auch ein Hund hat gute und weniger gute Tagesverfassungen. Der Hund soll höchstens leicht traben, aber auf keinen Fall im Galopp neben dem Fahrrad herhetzen. Es ist wichtig darauf zu achten wann der Hund seinem Erkundungsverhalten nachgehen möchte, und ihn dann möglichst auch gewähren zu lassen. Lassen Sie ihn während dessen in Ruhe schnüffeln und seinen Urin und Kot absetzen, damit er sich wohl fühlen kann. Wenn er abgeleint ist und sein Geschäft macht, lassen Sie ihm die erforderliche Zeit dafür und fahren dann gemeinsam weiter. Wo es möglich ist, sollte der Hund abgeleint laufen dürfen. Das gilt natürlich nicht an der Straße, sondern in Feld und Flurbereichen, und nur dort, wo es erlaubt ist.
  • Ist es für meinen Hund ein Problem auf andere Hunde zutreffen, während er am Fahrrad läuft?
    Für den am Fahrrad laufenden angeleinten Hund, ist das oft problematisch. Vielleicht würde er gern seine Geschwindigkeit drosseln, um dem anderen Hund zu signalisieren, dass von ihm keine Gefahr ausgeht, oder er würde gern einen Bogen laufen und Bedrohungsszenarien gar nicht erstaufkommen zu lassen. Kann er das nicht, besteht die Gefahr, dass sich unnötig Stress aufbaut. Bedenken Sie stets, dass sowohl wir Menschen, als auch Hunde in Stress Situationen schnell zu Überreaktionen neigen. Sie können dies vermeiden, indem Sie entweder in der betreffenden Situation absteigen und das Fahrrad schieben, oder zumindest ihr Tempo soweit verlangsamen, dass Ihr Hund damit zurecht kommt. Bisweilen empfiehlt es sich einen Bogen zu fahren, oder den Hund frühzeitig abzuleinen, sofern auch der entgegenkommende Hund abgeleint ist. Lassen Sie nun den Hunden genug Zeit um sich zu beschnüffeln und entfernen Sie sich danach mit Ihrem Hund in gemäßigten Tempo von dem fremden Artgenossen, damit sich beide möglichst problemlos voneinander verabschieden können.

Ich wünsche Ihnen mit Ihrem Hund viel Erfolg bei der Fahrradgewöhnung und den gemeinsamen, entspannten Fahrradausflügen.

© Andrea Hartmann
Fü(h)r einander! Hundeschule Andrea Hartmann
E-Mail: andrea.hartmann@me.com

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